Sicherlich haben Sie sich schon oft gefragt, welche Einstellungen Sie bei Ihrem digitalen Fotoapparat vornehmen sollten um optimale Bilder zu erhalten. Diese Frage kann man leider nicht pauschal beantworten, da es viele Faktoren gibt welche dabei zu berücksichtigen sind. Hier nur eine kleine Auswahl der Fragen welche man sich stellen sollte:
DAS MOTIV:
- Bewegt sich das Motiv?
- Welche Farbe hat das Motiv?
- Wie stark reflektiert das Motiv Licht?
DAS LICHT:
- Unter welchem Licht (Sonne, künstliches Licht usw.) befinde ich mich?
- Wo steht die Lichtquelle im Verhältnis zu meiner Position?
- Wie stark ist die Lichtquelle?
DER VERWENDUNGSZWECKS:
- Welche Stimmung soll das Foto transportieren (kalt, warm, professionell, spaßig usw.)?
- In welchem Umfeld wird das Foto verwendet?
Aber keine Sorge, dieser Artikel hilft Ihnen bei der Entscheidungsfindung ohne dass Sie viel Theorie wälzen müssen.
Wir machen einfach einen praktischen Versuch und bauen folgende Szene auf:
In circa 1,5 m Entfernung positionieren wir auf einem weißem matt lackiertem Brett unsere Motive: eine silberne Shampooflasche (reflektiert stark), eine Stein auf dem ein filigranes Dekorationsbäumchen aus Draht steht und als Highlight den ein Plastikpüppchen: dem tanzenden Elvis.
In circa 3,5 m Entfernung stellen wir ein großes vielfarbiges Bild auf und bringen daran als kleines Detail eine Visitenkarte an.
Als Location muss das Badezimmer herhalten. Das hat den Vorteil, dass die Fließen ein klein wenig wie Spiegel wirken und dadurch das Sonnenlicht, welches durchs Fenster strahl halbwegs homogen im Raum verteilt wird.
Für die Ausleuchtung unserer Motive verwenden wir eine handelsübliche Schreibtischlampe. Ich habe da gerade eine mit einem beweglichen Arm und einer 40 W Glühlampe bei der Hand.
Damit wir den Strahl des Lichts der Schreibtischlampe abschwächen können und ein diffuses Licht bekommen besorgen wir uns in der Küche Butterpapier. Das können wir einfach vor die Lampe halten. Ich mach das nicht bei jedem Versuch, weil mir das zu umständlich ist.
Als Fotoapparat verwende ich meine digitale Spiegelreflexkamera Nikon D70. Natürlich verwende ich auch ein Stativ um Aufnahmen mit langen Verschlusszeiten nicht zu verwackeln.
So nun möchten wir unsere nicht ganz natürliche Szene mit verschiedenen Belichtungsprogrammen und Kameraeinstellungen fotografieren. Wichtig dabei ist, dass wir bei jedem Foto versuchen die Szene mehr oder weniger gleich zu belichten, sodass wir die Fotos später gut vergleichen können.
Ich präsentiere Ihnen hier nun die Fotos mit den verwendeten Kameraeinstellungen. Außerdem führe ich die Beschreibung des Kameraherstellers an was das jeweilige Belichtungsprogramm bewirken sollte.
Zum Schluss kommen noch meine eigenen Bemerkungen was Sie aber nicht davon abhalten sollte, selbst Ihre eigenen Schlüsse aus dieser Versuchsreihe zu ziehen!
Foto 1 - Vollautomatik
Beschreibung des Herstellers: Besonders geeignet für Schnappschüsse. Die Kamera nimmt in Anhängigkeit von Motiv und Lichtbedingungen alle Einstellungen automatisch vor. Für Bilder mit ausgewogener Farbe, Schärfe und Sättigung.
Bemerkung
Die Automatik der Kamera legt die Belichtung mit 1/60 s bei f/4,5 fest und aktiviert den Blitz. Die ISO-Empfindlichkeit habe ich manuell auf 400 eingestellt, damit der Vergleich der Fotos vor allem auf Blende und Zeit beruht. Der Weißabgleich ist auf automatisch gestellt.
Der Blitz bewirkt einen unerwünschten Schattenwurf der Shampooflasche und des tanzenden Elvis auf dem Bild im Hintergrund und schwächt gleichzeitig den Schattenwurf der Schreibtischlampe auf dem weißen Brett etwas ab. Außerdem erzeugt er eine Reflexion auf der silbernen Flasche.
Der tanzende Elvis wird scharf abgebildet. Die Zeit von 1/60 s ist also kurz genug.
Die Motive im Vordergrund werden scharf und der Hintergrund unscharf abgebildet. Das ist von einer Blende von f/4,5 zu erwarten.
Foto 2 - Porträt
Beschreibung des Herstellers: Ideale Einstellung für Porträtaufnahmen. Die fotografierte Person wird deutlich hervorgehoben, während Details im Hintergrund aufgrund einer geringen Tiefenschärfe wie weichgezeichnet erscheinen. Der Bildaufbau vermittelt dadurch einen Eindruck von Tiefe.
Bemerkung
Die Kamera wählt wieder die Belichtung mit 1/60 s bei f/4.5 und aktiviert den Blitz. ISO ist manuell auf 400 eingestellt. Der Weißabgleich ist auf automatisch gestellt. Keine Unterschiede also zum vorigen Versuch. Scheinbar ist die Szene zu wenig ausgeleuchtet als dass die Kamera genug Spielraum für die Variation von Zeit und Blende hat.
Im Vergleich zum Belichtungsprogramm Vollautomatik fällt auf, dass der tanzende Elvis sehr verwackelt dargestellt wird. Daraus schließe ich, dass die Zeit von 1/60 s trotzdem nicht kurz genug ist, dass in der vorigen Aufnahme Elvis nur zufällig gerade still stand.
Porträt sollte wenig Tiefenschärfe d.h. kleine Blendzahl und dafür große Zahl bei Zeit (= kurze Verschlusszeit) bedeuten. Man kann das zwar erkennen, der Hintergrund ist eher weich, aber etwas stärker ausgeprägt wäre schön gewesen. Scheinbar ist der Hintergrund einfach zu nahe bei den Motiven als das der Effekt stärker ausgeprägt werden könnte.
Der Blitz wird vom Programm aktiviert, das gefällt mir eigentlich bei Porträts überhaupt nicht, da dadurch unrealistische Schattenwürfe auf dem Hintergrund sichtbar sind. Die Szene ist scheinbar einfach zu wenig ausgeleuchtet.
Foto 3 - Landschaft
Beschreibung des Herstellers: Verstärkt Konturen, Farben und Kontraste. Ideal für Aufnahmen von Wolkenlandschaften und Wäldern.
Bemerkung
Die Landschaftsbelichtungsprogramm wählt eine Belichtung von 1/30 s bei f/4,5 und schaltet den Blitz aus. ISO ist manuell auf 400 eingestellt. Der Weißabgleich ist auf automatisch gestellt.
Klar der Blitz muss ausgeschaltet werden, bringt eh nichts zu versuchen die ganze Gegend aufzublitzen, wird kein Blitz schaffen. Dafür muss die Zeit verlängert werden was zu einem deutlich verwackelten Elvis geführt hat.
Zusätzlich würde man sich vom Landschaftsprogramm erwarten, dass es hohe Tiefenschärfe produziert, also eine große Blendzahl (=kleine Blende) verwendet. In meinen Fall ist das aber einfach nicht möglich weil die Szene zu wenig ausgeleuchtet ist. Die Zeit wollte das Landschaftsprogramm scheinbar nicht verlängern. Bei der realen Landschaftsfotografie im Freien wird hoffentlich mehr Licht vorhanden sein.
Ohne den Blitz erhalten wir dieses Mal keinen Schattenwurf im Hintergrundbild, wir sehen nur den Schatten der Lichtquelle welcher jetzt etwas scharfkantiger ausfällt. Außerdem entfällt der Reflexioneffekt auf der Shampooflasche, aber dafür ist die Vorderseite der Flasche zu dunkel. Diesem Problem könnte man mit einem Spiegel begegnen. Einfach einen Teil des Lichtes der Lichtquelle auf die Vorderseite der Flasche mit dem Spiegel umlenken.
Elvis wurde wie erwartet verwackelt abgebildet da bei Landschaftaufnahmen die Kamera eine hohe Tiefenschärfe erreichen möchte, in der Folge die Blende verkleinert (d.h. die Blendzahl vergrößert) und darum die Verschlusszeit verlängern (d.h. die Zahl bei Zeit wird kleiner) muss.
Man erkennt im Vergleich zur Vollautomatik und Porträtaufnahme die deutlich verstärkten Konturen, Farben und Kontraste so wie vom Landschaftsprogramm versprochen.










